Schüssler Salze

Schüssler Salze - Wirkung, Studien, Anwendung

Was steckt hinter dieser über 130 Jahre alten, sanften Heilmethode,  wie ist sie anzuwenden und wirkt sie überhaupt?

Die „Biochemie“ nach Schüßler und ihr Wirkungsprinzip

Wie die Homöopathie verfolgt auch die Biochemische Mineralsalz-Therapie nach Dr. Schüssler den Zweck, dem Körper einen Impuls zu geben, der die Selbstheilungskräfte mobilisiert.

SchüsslersalzeDie Homöopathie ist eine Reiztherapie, die unter anderem auf der Annahme beruht, dass Gleiches mit Gleichem zu kurieren ist. Eine Substanz, die in größerer Menge Ungemach wie etwa Vergiftungserscheinungen, Fieber, Kopfschmerzen auslöst, kann nach dieser Theorie in einer sehr winzigen Dosis die gleichen Symptome auch heilen.
Die Therapie nach Schüßler geht direkter vor: Winzige Spuren des richtig gewählten Mineralsalzes helfen, die biochemischen Prozesse innerhalb der Zellen wieder ins natürliche Gleichgewicht zu bringen.

Der „Erfinder“ der Schüssler Salz

Wilhelm Heinrich Schüßler, (1821 bis 1898), widmete sich mit Leidenschaft der Medizin: Er studierte unter anderem in Gießen, Paris und Prag, holte das Abitur „zwischendurch“ nach, um seine Approbation zu erlangen und spezialisierte sich schließlich auf die Homöopathie. Als Naturheilkundler nach Dr. Hahnemann ließ er sich Mitte des 19. Jahrhunderts in Oldenburg nieder.

Dr. Schüßler war mit dem Prinzip der Homöopathie nicht wirklich zufrieden, obwohl er sie über 15 Jahre lang mit Erfolg praktizierte, also ein wahrer Heilkünstler gewesen sein muss.

Schüßler empfand die Homöopathie als ein geradezu unüberschaubares Feld. Schon zu seiner Zeit umfasste die gesamte Materia Medica bereits über 800 Heilmittel. Durch praktische Erprobung wurde sie bis heute auf über 3000 Substanzen erweitert: Das birgt viele verblüffende Heilungs-Möglichkeiten, aber auch ebenso viele Risiken, Unwägbarkeiten und Fehlerquellen.
Denn die richtige Anwendung dieser Substanzen setzt ein gewaltiges Wissen voraus, viel Erfahrung und geradezu kriminalistische Fähigkeiten. Fingerspitzengefühl bei der Wahl des jeweils richtigen Konstitutionsmittels und ausgeprägte diagnostische Fähigkeiten sind erforderlich. Zu einer weitreichenden Selbstbehandlung durch Laien eignet sich die Homöopathie daher nur eingeschränkt.

Neue, überschaubare Wege

Schüßler ging dazu über, nach harmonisierenden Mitteln zu suchen, die er bezeichnenderweise „Funktionsmittel“ nannte, die also die biochemischen Vorgänge im Organismus beeinflussen konnten.

Dabei faszinierten ihn die Forschungen seines Zeitgenossen Professor Dr. Rudolf Virchow, der im 19. Jahrhundert in Berlin wirkte und Aufbau und Funktionsweise der Zellen erstmals nachwies.

Auf Virchows Erkenntnissen aufbauend, wollte Schüßler eine überschaubare, logische und auch zur Selbstbehandlung sicher anwendbare Heilbehandlung entwickeln.

Seine These, dass eine Reihe ganz bestimmter Mineralsalze in mikroskopisch kleiner Dosis ausreichen, um diverse Prozesse im Körper zu harmonisieren, sowie seine Vorstellung vom Zusammenhang zwischen Mineralstoffhaushalt und Zellfunktionen werden heute durch die moderne Zell- und Molekularforschung Zug um Zug bestätigt.

Die Funktionsmittel nach Schüßler

Die 12 für Schüßlers Behandlungsmethode entscheidenden Mineralsalze nannte er Funktionsmittel und nummerierte sie der Einfachheit halber durch. Seine Anordnung ist bis heute gültig, jeder Apotheker kennt sie:

Nr. 1. Calcium Fluoratum

Nr. 2. Calcium Phosphoricum

Nr. 3. Ferrum Phosphoricum

Nr. 4. Kalium Chloratum

Nr. 5. Kalium Phosphoricum

Nr. 6. Kalium Sulfuricum

Nr. 7. Magnesium Phosphoricum

Nr. 8. Natrium Chloratum

Nr. 9. Natrium Phosphoricum

Nr. 10. Natrium Sulfuricum

Nr. 11. Silicea

Nr. 12. Calcium Sulfuricum

Jedem der Schüssler Salze sind ganz bestimmte Funktions- und Wirkungsbereiche zugeordnet, die jedem Handbuch zur Selbstbehandlung nachgeschlagen werden kann.
Mit seiner Nummer 12, dem Calcium Sulfuricum, stand er zuletzt auf „Kriegsfuß“, weil er seine Wirkung nicht so genau definieren konnte, wie er sich das für sein System wünschte.

Die von Schüßler verwendeten Haupt-Mineralsalze sollen unter anderem dafür sorgen, dass der Organismus die aus der Nahrung angebotenen Nährstoffe optimal verarbeiten und Mangelzustände in den Zellen ausgleichen kann.

Später entstand noch eine Liste an Ergänzungsmitteln, je mehr Mineralsalz-Verbindungen im Organismus tatsächlich nachgewiesen werden konnten. Unbeschadet einiger Abweichungen von einem Autor zum anderen sieht diese Liste wie folgt aus:

Nr. 13. Kalium arsenicosum

Nr. 14. Kalium bromatum

Nr. 15. Kalium jodatum

Nr. 16. Lithium chloratum

Nr. 17. Manganum sulfuricum

Nr. 18. Calcium sulfuratum

Nr. 19. Cuprum arsenicosum

Nr. 20. Kalium aluminium sulfuricum

Nr. 21. Zincum chloratum

Nr. 22. Calcium carbonicum

Nr. 23. Natrium bicarbonicum

Nr. 24. Arsenum jodatum

Nr. 25. Aurum chloratum natronatum

Nr. 26. Selenium

Nr. 27. Kalium bichromicum

Anwendung der „Biochemie“ nach Schüssler

Was macht eine alternative Heilmethode wie die Biochemie nach Schüßler so attraktiv? Sie ist so übersichtlich, dass sie in gewissen Bereichen auch für medizinische Laien leicht im Alltag anwendbar ist. Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten und selbst während einer Schwangerschaft drohen keine Risiken: Das bedeutet Hilfe auch dann, wenn keine der üblichen Mittel mehr angewendet werden dürfen, um den Fötus nicht zu belasten.
Wechselwirkungen mit Medikamenten sind ebenfalls kaum zu befürchten.

Allerdings sollten Anwender bei ernsthaften und anhaltenden Symptomen einen Arzt oder Heilpraktiker zu Rate ziehen: Das Risiko, dass zugunsten eigener „Experimente“ eine schwerwiegende Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und in angemessener Weise behandelt wird, sollten medizinische Laien keineswegs eingehen. Nicht nur der Griff zum falschen Funktionsmittel kann sich hier fatal auswirken.

Viele Alltags-Beschwerden oder auch chronische Erkrankungen können mit Schüßler Salzen jedoch tatsächlich erfolgreich gelindert werden. Konservative Therapien können mit den Funktionsmitteln häufig sehr effektvoll unterstützt werden. Und insbesondere bei psychischen Belastungen hat sich diese Heilmethode sehr bewährt.

Die Antlitz-Diagnostik

24 verschiedene Zeichen auf der Haut und im Gesicht weisen nicht auf Krankheiten, sondern auf einen Mangel, ein Ungleichgewicht, hin. Die Therapie nach Schüssler behandelt keine klar beschriebenen Krankheiten, sie versucht vielmehr, Defizite im Mineralstoffhaushalt aufzuspüren und auszugleichen. Diese Defizite werden mittels der Antlitzdiagnostik ermittelt, die allerdings einem Fachmann und Kenner der Methode vorbehalten bleiben sollte.

Auch hier hatte Schüßler aus seiner langjährigen homöopathischen Praxis wichtige Kriterien übernommen. Er selbst bezeichnete ausschlaggebende Merkmale, die sich übrigens nicht nur auf die Gesichtshaut bezogen, als „Signaturen“, die ihm Hinweise auf die Konstitution der Patienten lieferten. Beispiele dafür sind

  • Hautstruktur, Hautfarbe, Altersflecken, Falten
  • Schlaffe oder angespannte Züge, Muskeltonus, Augenzucken,
  • Ekzeme, Unreinheiten oder Ausschläge
  • Zustand der Lippen, beispielweise extrem rissig oder trocken
  • Schuppen, Haar und Haarwuchs
  • Beschaffenheit oder Belag der Zungenoberfläche
  • Merkmale von Zähnen und Zahnfleisch: Karies, Zahnbelag, Mundgeruch
  • Altersflecken
  • Zustand der Schilddrüse, so weit von außen sichtbar oder tastbar.

Die Diagnose nach Beschwerden und Symptomen

Das zweite Standbein der Therapie nach Schüßler ist die Bestandsaufnahme bestimmter Befindlichkeiten und Symptome. Beispielsweise ist das Salz Nr. 1, Calcium fluoratum, allen Erkrankungen oder Defiziten im Bereich der Knochen oder der Zähne zugeordnet. Nr 3, Ferrum phosphoricum, kommt bei allen Arten von Entzündungs-Vorgängen zum Einsatz. Laien orientieren sich anhand einer Liste der Salze und ihrer verschiedenen Funktions-Gebiete. Das geht relativ leicht und schematisch vor sich.

Erfahrene Naturheilärzte und Heilpraktiker kombinieren die Salze nach Bedarf und ergänzen eine Behandlung durch weitere therapeutische Maßnahmen.

Herstellung und Darreichungsformen von Schüßlers Mineralsalze

Einige Prinzipien der Homöopathie finden sich dennoch auch in Schüßlers Heil-System wieder, etwa die Vorbehandlung und Verabreichung der verwendeten Substanzen als „Potenzen“. Gekennzeichnet sind sie nach ihrer in systematisch in Zehnerschritten durchgeführten Verdünnung.

Überwiegend werden die Schüßler Salze in der Potenz D6 verabreicht, das entspricht einer Verdünnung von 1: 1 000.000 Einheiten, also 1:106.

Gelegentlich sind auch die Potenz D3 oder D12 empfehlenswert.

Schüßler Salze sind als Globuli oder Tabletten für die innerliche Anwendung erhältlich. In der Wirkung entsprechen fünf Globuli einer Tablette.

Einige Hersteller folgen dem Trend der Zeit und bringen bereits gluten- oder laktosefreie Tabletten oder Globuli auf den Markt. Allerdings sind die Mengen an Milchzucker oder Gluten in den Tabletten an sich fast zu vernachlässigen, selbst wenn bei einem Patienten eine Unverträglichkeit vorliegt.

Auch zur äußeren Anwendung eignen sich die Salze – in Form von Salben, die übrigens auch untereinander gemischt werden können.

Standard-Dosierung oder „Heiße Sieben“

Schüssler wollte die Anwendung seiner „Biochemie“ so übersichtlich und einfach wie möglich gestalten. Das verringert Fehlerquellen und verschafft den Nutzern Sicherheit. Wenn nicht erfahrene Heilbehandler eine Dosierung vorgehen, gilt bei der Anwendung der Schüssler Salze folgende Standard-Dosierungsempfehlung:
Von den Kleinsten bis zum zwölfjährigen Kind sind drei bis vier Tabletten täglich eine ausreichende Dosis.

Kinder über 12 Jahre und Erwachsene dagegen nehmen zwischen drei und sechs Tabletten täglich ein. Diese Dosierungsempfehlung gilt unabhängig von der Potenz der jeweils gewählten oder verordneten Salze. Sind mehrere Salze gleichzeitig verordnet, nimmt man jeweils eines davon pro Tageszeit – nicht etwa alle zwei der drei Salze gleichzeitig.

Bei akuten Beschwerden und zur Überbrückung in einer Krise, etwa bis das Krankenhaus erreicht oder ein Arzt eingetroffen ist, können bei Klein- und Kleinstkindern unbesorgt etwa jede Stunde eine Tablette gegeben werden, bei Erwachsenen und über Zwölfjährigen ist auch eine wiederholte Gabe im Viertelstundentakt möglich und hilfreich.

Eine Spezialität ist die Heiße Sieben, die am Schüssler Salz Nr. 7 erstmals entdeckt wurde und die hervorragend etwa bei Schmerzen oder Krämpfen hilft. Offenbar gelangen die Mineralsalze besonders rasch in die Zellen, wenn die Tabletten in heißem Wasser aufgelöst und langsam getrunken werden. Das warme Wasser öffnet offenbar die Schleimhäute und deren Zellen.

Je nach Lebensalter werden fünf oder zehn Tabletten mit kochendem Wasser übergossen und aufgelöst. Je nach Situation können auch die anderen Salze der Liste als „Heiße Sieben“ zubereitet und eingenommen werden.

Wirken Schüßler Salze?

Viele lehnen die „Biochemie“ nach Schüßler ebenso wie die klassische Homöopathie und andere Heilverfahren als unwissenschaftlich und nicht beweisbar ab.

Doch immer mehr Menschen suchen Zuflucht bei sanften, alternativen Heilverfahren, zu denen sie bei Bedarf unbesorgt und eigenverantwortlich greifen können.

Schwangere, Säuglinge oder Kleinkinder etwa werden von der Pharmaindustrie außen vor gelassen: Für viele ihrer Arzneimittel fehlen aussagekräftige Tests und entsprechende Zulassungen gänzlich, andere wieder sind nachweislich schädlich. Doch was tun bei vielen Alltagsbeschwerden, die als belastend und unangenehm empfunden werden?

Das Argument der wissenschaftlichen Nicht-Beweisbarkeit ist längst keines mehr: Denn wer heilt, hat recht. Generationen von praktizierenden Naturheilpraktikern und Ärzten sind von der Wirkung der Schüßler Salze überzeugt. Verfahren wie die Biochemie nach Schüßler verzeichnen viele positive Erfahrungsberichte und eindeutige Erfolge.

Unwissenschaftlich? Auch Naturheilärzte sind längst dazu übergegangen, ihre Ergebnisse zu sammeln. Nichts anderes aber geschieht in repräsentativen klinischen Studien: Die Ergebnisse werden nach einem ausgearbeiteten Kriterienkatalog erfasst und statistisch ausgewertet.

So liegen durchaus bereits Zahlen und Fakten über Homöopathie oder über die Biochemie nach Schüßler vor. Die Heilpraktikerin Elisabeth Metz-Melchior beispielsweise führte eine solche empirische Studie selbst durch, nachdem jahrelange Erfahrung sie gelehrt hatte, der Wirkung der Schüßler Salze zu vertrauen.

Alle Studienteilnehmer verpflichtete sie, die ausgewählten Funktionsmittel drei Monate lang exakt nach Vorschrift anzuwenden. Vor und nach dem Versuch dokumentierte sie jeweils die Befindlichkeit und den Gesundheitszustand der Probanden, unter anderem durch eine Haarmineralanalyse.

Die Ergebnisse von 42 Probanden, die die Behandlung bis zu Ende durchführten, belegen eindeutig die Wirksamkeit der Salze.

  • Spuren von Schwermetallen oder Quecksilber etwa waren deutlich zurückgegangen bis verschwunden – offenbar unter Einfluss der Schüßler Salze effektiv „ausgeleitet“ worden.
  • Der gesamte Mineralstoff- und Spurenelemente-Haushalt aller Probanden hatte sich normalisiert.
  • Bei 458 erfassten Symptomen aller Teilnehmer ergab sich in 70% der Fälle eine deutliche Besserung, bei über 23% sogar ein vollständiges Verschwinden der Beschwerden.

Die Voraussetzung für den Erfolg war allerdings ein geduldiges Fortführen der Therapie über längere Zeit hinweg.