Spirulina

Spirulina - gut für das Immunsystem?

Das Nahrungsergänzungsmittel Spirulina erfreut sich im Zeitalter des Superfoods einer stetig wachsenden Beliebtheit. In Form von Tabletten oder als feines, grünliches Pulver soll die getrocknete Alge zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen auf den menschlichen Körper ausüben und darüber hinaus beim Abnehmen helfen. Wir haben uns für Sie bei Ernährungsexperten umgehört, um herauszufinden, um was es sich bei Spirulina genau handelt und inwiefern die kleinen Mikroorganismen tatsächlich in der Lage sind, unsere Gesundheit und Fitness zu stärken.

Spirulina – den Mikroalten auf der Spur

Streng genommen handelt es sich bei Spirulina um Bakterien, nämlich den Cyanobakterien die umgangssprachlich auch als Blaualgen bezeichnet sind. Wenn Sie bereit schon mal ein Aquarium gepflegt haben, werden Sie diese winzigen Organismen sicherlich kennen und fürchten. Denn das sind die blau-grauen Algen, welche nachhaltig Wände wie Dekorationsgegenstände des Aquariums befallen und kaum mehr zu beseitigen sind.

Mikrobiologen können mittlerweile über 30 der Spirulina-Arten voneinander unterscheiden, wobei dies aufgrund der beständigen Oberflächentransformation der Mikroalgen gar nicht so einfach ist. In seiner Grundform sieht das lediglich 5 µm große Bakterium spiralförmig aus – daher auch der Name – und besitzt eine grünlich bis bläuliche Färbung. Selbstverständlich sind diese Beobachtungen nur nach einem Blick in das Lichtmikroskop zu tätigen, mit bloßem Auge kann man nur die großen Kolonien der Algen sehen – sehr zum Leidwesen der Aquarianer. Interessanter Weise besitzt jeder der kleinen Bakterien winzige Mikrofilamente, die aus den Hauptzellen hinausragen. Daher handelt es sich bei diesen Bakterien um mehrzellige Organismen, die vergleichsweise selten anzutreffen sind.

Wie die zahlreichen Chlorophyll-Moleküle in den Zellwänden der Spirulina schon vermuten lassen, ist diese Bakterienart photosynthetisch aktiv – das heißt, sie wandeln die Lichtenergie, Wasser und Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff und chemische Energie um. Die gewonnene Energie dient den kleinen Algen zum Überleben, während ein Großteil des Sauerstoffs abgegeben wird – ein Punkt, auf den wir später noch zu sprechen kommen.

Spirulina ist eine der ältesten Bakterien und somit Lebewesen auf unserem Planeten. Bereits in der Ur-Erdatmosphäre vor über einer Milliarde (!) Jahren bevölkerten Sie in gewaltigen Scharen die Erdkruste, wie sich heute über Gesteinsanalysen nachweisen lässt. Durch ihre Rolle als winzige Sauerstofflieferanten waren Sie höchstwahrscheinlich hauptverantwortlich für die Entwicklung der gesamten höher entwickelten Pflanzenwelt, wie wir sie heute kennen.

Natürliche Vorkommen und Kultivierung

Die kleinen Spirulina-Algen lieben einen hohen pH-Wert, also alkalisches (basisches) Wasser. So kommen sie beispielsweise in den salzhaltigen Gewässern Mittelamerikas, Afrikas und Asiens vor massenhaft vor.

Aufgrund der heilenden Inhaltsstoffe fördern zahlreiche Unternehmen die gezielte Kultivierung dieser Algen Art. Dabei werden die Cyanobakterien in sogenannten Aquakulturen bei warmen 35 Grad Celsius gehalten, denn unter diesen Bedingungen ist die Vermehrungsrate über Zellteilung am höchsten. Um das Wachstum weiter zu beschleunigen, wir mittels Gasflaschen beständig Kohlenstoffdioxid zugehört, was die Zellteilungsrate enorm ansteigen lässt.

Die Ernte erfolgt durch das Ablassen des Wassers über eine feinmaschige Siebvorrichtung. Der Algen-Überstand gelangt anschließend zum Trocknen eine Durchlaufzentrifuge, ehe unter Heißluft auch wirklich die letzte Feuchtigkeit entweicht. Das gewissenhafte Trocknen ist hierbei für eine lange Haltbarkeit essentiell. Abschließend gelangt die getrocknete Biomasse in eine Pressmaschine, welche die handelsüblichen Spirulina-Tabletten fertigt. Aber auch das Befüllen von Kapseln mit Collagen-Hüllen oder der Export von reinem Pulver ist mittlerweile üblich.

Die Inhaltsstoffe – Das alles steckt in den winzigen Spirulina-Algen

Wenn man sich die geringe Größe der Mikroorganismen vor Augen führt, so ist die Fülle an bioaktiven Wirkstoffen dieser kleinen Power-Algen nahezu unvorstellbar. So sind über 50 Inhaltsstoffe bekannt, die sich positiv auf den menschlichen Organismus auswirken und mitunter sogar von höchster Bedeutung für die moderne Medizin sind.

Was die Makronährstoffe anbelangt, so liegt die Verteilung sehr zu Gunsten der Proteine: Sie machen ganze 60 Prozent des Spirulina-Präparates aus. Darauf folgen diverse Kohlenhydrate mit 20 Prozentpunkten und Fett sowie Mineralstoffe mit vier bzw. sechs Prozent.

Doch natürlich genügt diese oberflächliche Betrachtung bei weitem nicht aus, um einen Aussage bezüglich der konkreten medizinischen Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln auf Basis der Spirulina-Algen treffen zu können.

Dieser ‚Gesundmachcocktail‘ steckt in Spirulina

Nachfolgend eine Liste mit auserwählten Wirkstoffen, die in verhältnismäßig großen Mengen in den Spirulina-Algen enthalten sind. Sie alle haben positive Auswirkungen auf unseren Organismus, wie weiter unten noch genauestens erläutert wird.

  • Proteine – Die Blaualgen sind extrem eiweißreich und verfügen über alle essentiellen Aminosäuren (das sind die Bausteine, aus denen sich die großen Eiweißmoleküle zusammensetzen). Gerade für Sportler sind diese Nährstoffe fundamental, da sie die Zellerneuerung sowie den Muskelwachstum begünstigen.
  • Beta-Carotin – Dabei handelt es sich um sogenannte akzessorische Farbpigmente, welche ähnlich wie Chlorophyll den Algen bei der Photosynthese helfen. Im menschlichen Körper haben sie unter anderem die Funktion, die Sehfähigkeit der Augen aufrecht zu erhalten.
  • Thiamin – Die auch als Vitamin B1 bekannten Moleküle sorgen für die reibungslose Funktion unseres Nervensystems. Ein Mangel dieses Vitamintyps führt relativ schnell zu Gehörlosigkeit und lebensbedrohlichen Störungen des Herzrhythmuses. Leider nimmt die Thiaminkonzentration in den Lebensmitteln der Industrienationen immer mehr ab, was unter anderem an der routinemäßigen Haltbarkeitsmachung durch kurzes Erhitzen zurückzuführen ist – denn Thiamin zerfällt bei Temperaturen jenseits der 70 Grad Celsius.
  • Xanthophylle – Ähnlich den Carotinoiden wie das obige Beta-Carotin, so handelt es sich auch bei den Xanthophyllen um Farbpigmente, welche die Lichtenergie von ganz bestimmten Farbspektren absorbieren und für die Prozesse der Photosynthese bereitstellen. Die fettlöslichen Moleküle wirken in gewisser Weise antioxidant, das heißt sie dienen als klassische Radikalfänger und sorgen somit indirekt für Vitalität und Leistungsfähigkeit des Konsumenten.
  • Panthotensäure (Vitamin B5) – Lange war die Wirkungsweise dieses Vitamins umstritten, doch mittlerweile gilt die Akne heilende Wirkung der Panthotensäure als erwiesen. ‚Panthos‘ ist übrigens griechisch und bedeutet so viel wie überall. Das passt auch ganz gut, denn in geringen Spuren findet sich dieser Vitalstoff in wirklich jeder Pflanze auf der gesamten Welt. In den Spirulina-Algen nur eben in besonders hoher Dosis.
  • Eisen – Dieser Mineralstoff trägt zur Blutbildung bei und unterstützt die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) dabei, den Sauerstoff zu transportieren. Bereits ein vergleichsweise geringer Eisenmangel kann zu einer gefährlichen Blutarmut (Anämie) führen.
  • Niacin – Dies ist die Abkürzung für Nicotinsäure, ein essentieller Baustein in der biochemischen, körpereigenen Synthese von wichtigen Stoffwechselprodukten. Selbstverständlich hat diese leichte Säure funktionell rein gar nichts mit dem schädlichen Nicotin im Zigarettenrauch zu tun, sie ähneln sich lediglich in einigen struktur-chemischen Gesichtspunkten, weshalb sie den gleichen Stoffgruppen-Namen besitzen. Im Körper besitzt Niacin die Aufgabe, die Regeneration von Nerven, Muskeln und Haut zu kontrollieren. Auch Schäden an der DNA können eruiert werden, ehe sich gefährliche Mutationen bilden können.
  • Riboflavin – Auch bekannt als Vitamin B2 trägt Riboflavin dazu bei, das Nervensystem zu entlasten. So soll eine hohe Dosis dieses Vitamins dazu beitragen, Migräne-Anfälle zu unterbinden. Wobei hier noch nicht der entscheidende Beweis von Seiten der Wissenschaft erbracht wurde. In der Nahrungsmittelindustrie wird das Molekül gerne als Lebensmittelfarbstoff eingesetzt, da er gesundheitlich gänzlich unbedenklich ist und eher positive Effekte mit sich bringt

Was bringt die Einnahme von Spirulina unserem Körper?

Bislang ist das ja alles schön und gut, doch ohne die konkreten Anwendungsmöglichkeiten bei bestimmten Symptomen zu kennen, nützt uns das reine Wissen über die Algensorte und ihre Inhaltsstoffe nur sehr wenig. Daher sehen wir uns nun im Folgenden einige Symptome an, bei denen eine gezielte Therapie mit Spirulina-Tabletten Linderung schaffen kann.

Linderung von Allergie-Symptomen

Mit Spirulina gehören gerötete Augen, ewiger Schnupfen sowie die begleitenden Kopfschmerzen der Vergangenheit an. Zumindest bei vielen! Wie in einer groß angelegten Studie aus den USA im Jahr 2006 belegt werden konnte, werden insbesondere die nasalen Symptome – also der klassische Heuschnupfen – signifikant durch die tägliche Einnahme von Spirulina-Pulver gelindert. Somit ist die Algen Art eine echte Alternative zu den chemischen Heuschnupfenpräparaten aus der Apotheke, welche meistens mit unangenehmen Nebenwirkungen einhergehen.

Spirulina – Die Anti-Aging-Alge

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es genau zwei Ansatzpunkte, welche die durchaus provokante Behauptung, Spirulina könne die Alterungsprozesse ein Stück weit aufhalten, untermauern. Zum einen sind die Alge und somit auch das in Apotheken und Drogeriemärkten erhältliche Spirulina-Pulver voll von sogenannten Phytohormonen. Das sind letztlich Wachstumshormone der Pflanzen die für eine stetige Zellerneuerung sorgen.

Zum anderen sind die enthaltenen Antioxidantien dafür verantwortlich, dass der oxidative Stress in den Zellen, welcher mitunter durch die UV-Strahlung verursacht wird, abgemildert wird. Dieser Effekt macht sich natürlich in aller erster Linie auf der Haut bemerkbar, die schnell deutlich frischer und jünger wirkt.

Spirulina sagt Arteriosklerose den Kampf an

Sie ist eine der typischen Volkskrankheiten in Mitteleuropa und ihre Folgen enden leider meist tödlich: Die Rede ist von Arteriosklerose. Damit sind die Ablagerungen in den Blutgefäßgen gemeint, die im Laufe des Lebens je nach Lebensstil mehr oder weniger schnell zunehmen. Die große Gefahr besteht neben der Tatsache, dass der Blutfluss zunehmend blockiert wird, darin, dass sich jederzeit Teile dieser Ablagerungen lösen können. Wenn dies geschieht, wandern die Teile mit dem Blutfluss zwangsläufig entweder in Richtung Gehirn oder in das Her, wo sie unvermeidbar eine Schlaganfall bzw. einen Herzinfarkt auslösen.

Begünstigt wird das Auftreten dieser Ablagerungen durch Bewegungsmangel sowie eine ungesunde, fettreiche Ernährung und Drogenkonsum. Jedoch ist eine geringe Form der Arteriosklerose auch bei Personen mit einem gesunden Lebensstil nicht gänzlich vermeidbar, sie lässt sich aber leicht um einige Jahre wenn nicht Jahrzehnte nach hinten verschieben.

Folgende Effekte der Spirulina-Alge hemmen die Arteriosklerose:

  • Neutralisation von Cholesterin
  • Senkung des Blutdrucks
  • Bindung an Schwermetalle und Kalk
  • Beseitigung von weiteren Stoffwechselprodukten aus der Blutbahn

Stärkung des Immunsystems

Die Tatsache, dass Spirulina ein wahres Füllhorn für diverse Vitamine wie etwa Vitamin A, C, B1 und B12 ist, trägt bereits maßgeblich zur Instandhaltung und Reaktionsfähigkeit des Immunsystems bei. Denn ohne dies Vitalstoffe können die Fresszellen des Immunsystems nicht auf Bakterienjagd gehen, Ihnen würde sowohl die Energie als auch ein Schutz, gewissermaßen eine kugelsichere Bleiweste, fehlen. Speziell Vitamin C kann hier in erhöhter Dosis für Abhilfe sorgen und die Fresszellen für Ihre ‚Verbrecherjagd‘ adäquat ausstatten.

 

Kann ich mit der Spirulina-Alge wirklich abnehmen?

In gewisser Weise: Ja! Allerdings dienen Spirulina-Präparate hier nur zu Unterstützung. Sie können den Blutzuckerhaushalt regulieren, was bei übergewichtigen Menschen vorteilhaft ist. Des Weiteren sorgte die hohe Eiweißkonzentration dafür, dass sich ein rasches Sättigungsgefühl einstellt. Allerdings darf man hierbei keinesfalls nach dem Motto „Viel hilft viel“ agieren, denn zu hohe Eiweißkonzentrationen sind über einen längeren Zeitraum hinweg organschädigend! Insbesondere die Leber kann dann mal eben schnell in Mitleidenschaft gezogen werden. Daher halten Sie sich bitte unbedingt an die Einnahmeempfehlungen gegen Ende dieses Artikels und fragen Sie bei Unklarheiten bei Ihrem Hausarzt nach.

Leider war es das bereits mit der schlankmachenden Wirkung der Spirulina-Kapseln. Es ist sicherlich kein Medikament, das aktiv in den Stoffwechsel eingreift und hier die Fettbildung hemmt. Oder das den Kreislauf auf Hochtouren bringt um somit den energetischen Grundumsatz zu erhöhen.

Für Sie und Ihre Diät-Pläne bedeutet dies, dass Sie für nachhaltige Erfolge Ihren Lebenswandel verändern müssen, um über einen längeren Zeitraum ohne Jo-Jo-Effekt ein Kalorien-Defizit zu fahren. Die beiden Ansatzpunkte müssen dabei die Ernährung auf der einen und die sportliche Betätigung auf der anderen Seite sein. Im Bereich der Ernährung kann Ihnen das Spirulina-Pulver insofern helfen, als dass es Ihnen das Hungergefühl minimiert – doch durchziehen müssen Sie ihren Diätplan immer noch alleine.

Einnahmeempfehlungen, Nebenwirkungen und Warnhinweise

Selbstverständlich variiert die Dosis je nach dem Zweck, welchem man mit Hilfe der Spirulina-Präparate erreichen möchte. Will man beispielsweise ein allgemeines Defizit an Nährstoffen ausgleichen, so raten Experten zur Einnahme von drei bis vier Gramm Spirulina pro Tag. Soll jedoch eine bestehende Krankheit gezielt bekämpft werden, so ist in jedem Fall eine höhere Dosis erforderlich. Zehn Gramm pro Tag gelten hier als Richtwert, wobei man die Menge jeden Tag langsam auf diesen Wert steigern sollte. Dies hat den Hintergrund, dass sich der Darm erst auf diese hochgradige Eiweißkost einstellen muss. Gehen Sie mit der Dosis zu schnell nach oben, so kann die Adaption an den Schleimhäuten des Magen-Darm-Traktes nicht im Gleichschritt erfolgen. Was sich dann häufig in Form von leichten Bauchschmerzen und Blähungen äußert.

Wie bei allen pharmakologisch aktiven Substanzen, so sollte auch vor der Einnahme von Spirulina-Pulver Rücksprache mit dem Hausarzt gehalten werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn weitere Medikamente parallel eingenommen werden. So kann es sogar zu einer lebensbedrohlichen Situation kommen, wenn Sie neben blutverdünnenden Medikamenten eine Spirulina-Kur starten, da sich die Wirkung beider Substanzen ergänzen was den Verdünnungsgrad (Viskosität) des Blutes unter den Norm-Wert absinken lässt.

Bislang sind keinerlei Nebenwirkungen bei Spirulina-Präparaten bekannt. Da es sich um ein reines Naturprodukt handelt, wie es in dieser Form schon seit tausenden Jahren von uns Menschen konsumiert wird, können Komplikationen mit einem sehr hohen Wahrscheinlichkeitsgrad ausgeschlossen werden. Jedoch gilt dies natürlich nicht für Mix-Präparate, die neben Spirulina noch weitere Wirkstoffe besitzen. Darauf gilt es insbesondere bei Produkten aus den Drogeriemärkten zu achten, da dort sehr gerne das reine Spirulina-Pulver mit Additiven gestreckt wird.