Den Östrogenspiegel gezielt senken – effektivere Brustkrebstherapie

Den Östrogenspiegel gezielt senken – effektivere Brustkrebstherapie

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Den Östrogenspiegel gezielt senken – effektivere Brustkrebstherapie

Eine neuentdeckte Kategorie von Medikamenten auf Hormonbasis, die sich Aromatase-Hemmer nennen, können den tödlichen Ausgang von Brustkrebs bei Frauen nach der Menopause verhindern helfen. Sie greifen in Fällen, in denen Östrogen-Rezeptoren für den Brustkrebs verantwortlich sind, die weitaus häufigste Form der Erkrankung.
Aromatase-Hemmer senken das Östrogen-Niveau – sie wurden in einer aktuellen Studie als weitaus effektiver identifiziert als das bisher meist verwendete Tamoxifen.

 

Der führende Autor der Studie, Professor Mitch Dowsett, vom Institut für Krebsforschung (ICR) in Großbritannien, publizierten ihre Ergebnisse erst kürzlich.

Pro Jahr erkrankten fast 250.000 Frauen an invasivem Brustkrebs – mehr als 40.000 werden daran sterben.

Östrogenrezeptor-positiver Brustkrebs ist für 70% aller Brustkrebs-Todesfälle verantwortlich. In diesen Fällen reagieren die Brustkrebs-Zellen dank spezieller Rezeptoren auf das Hormon Östrogen. Bindet sich das Hormon an diese Rezeptoren, kann dies das Tumorwachstum provozieren.

Bislang wurden Frauen mit dieser Art Brustkrebs mit dem Medikament Tamoxifen behandelt – es hindert Östrogen daran, sich an die Rezeptoren in den Brustkrebszellen zu binden. Am wirksamsten ist es bei Frauen in einem noch frühen Stadium, die bereits eine Tumor-Operation hinter sich haben, bestrahlt wurden oder bei denen eine Chemotherapie durchgeführt wurde. Tamoxifen soll in all diesen Fällen ein Wiederaufflackern der Krankheit verhindern.

Nach Bericht von Professor Dowsett und seinem Team, bewirkt die Einnahme von Tamoxifen über einen Zeitraum von fünf Jahren eine Minimierung des Sterberisikos an Brustkrebs um 30%. In ihrer Studie enthüllten sie die Aromatase-Hemmer als noch bedeutend wirksamer.

Die Aromatase-Hemmer senken das Östrogen-Niveau, indem sie die Entstehung des Enzyms Aromatase verhindern. Dieses Enzym findet sich überwiegend in Fettgewebe. Es ist in der Lage, andere Hormone in Östrogen umzuwandeln. Je weniger Östrogen sich im Organismus befindet, desto weniger Rezeptoren in den Krebszellen werden angesprochen.

In den USA werden die Aromatase-Hemmer derzeit verwendet, um Brustkrebs im Frühstadium bei Frauen nach der Menopause aufzuhalten, die bereits mehrere Jahre lang mit Tamoxifen behandelt wurden.

Die aktuellen Studien legen nahe, dass die Aromatase-Hemmer wesentlich wirksamer arbeiten als Tamoxifen. Das Sterberisiko in den beschriebenen Fällen sank um 40% innerhalb der zehn Jahre nach der ersten Behandlung.
In der Studie wurden die Tagen von neun klinischen Tests ausgewertet, an denen über 30.000 Frauen nach den Wechseljahren in einem frühen, östrogen-positiven Brustkrebsstadium teilnahmen. Die Frauen in den klinischen Tests erhielten entweder eine nicht-hormonelle Therapie  oder sie hatten die Aromatase-Hemmer oder Tamoxifen in den vergangenen fünf Jahren erhalten.

Dabei eliminieren die Aromatase-Hemmer lediglich eine geringe Menge Östrogen, die bei Frauen nach den Wechseljahren noch im Organismus verbleibt – anscheinend ist dieses Quantum aber ausreichend, um eine ganze Reihe von Tumoren auszulösen, die auf Östrogen ansprechen.
Allerdings bringen Aromatase-Hemmer eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich: Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Hitzewallungen, Muskel- oder Gelenkschmerzen oder Depressionen.

Auch Frauen mit starken Nebenwirkungen sollten ermutigt werden, die Behandlung dennoch fortsetzen.

Ebenfalls in diesem Monat berichtete eine Fachzeitschrift von einer Studie, die dokumentiert, dass die Beigabe des Hormons Progesteron bei etwa 50% aller Brustkrebsfälle verlangsamend einwirken könnte.

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