Angstzustände und Depressionen: Mögliche Auslöser stress-bedingte Bakterien-Attacke im Darm

Angstzustände und Depressionen: Mögliche Auslöser stress-bedingte Bakterien-Attacke im Darm

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Angstzustände und Depressionen: Mögliche Auslöser stress-bedingte Bakterien-Attacke im Darm

Wissenschaftler vermuten, dass Stress in einem frühen Lebensstadium der Entstehung bestimmter Darmbakterien Vorschub leistet, die zur Entstehung von Angst und Depressionen im Erwachsenenalter führen können. Immer öfter sind Darmbakterien und ihre Auswirkung auf die Gesundheit Gegenstand von Studien.

An der medizinischen Fakultät der McMaster Universität in Hamilton, Kanada, sucht man aktuell Zusammenhänge zwischen Darmflora und ihrem Einfluss auf Verhaltensweisen.

In der Mehrzahl dieser Studien, so der Leiter Professor Bercik, wurden gesunde, normale Mäuse beobachtet. Die aktuelle Untersuchung verwendete zwei Gruppen von Mäusen – die eine hatte eine völlig normale Darmflora, die anderen gar keine Ein Teil der Mäuse jeder Gruppe wurde in sehr jungem Alter starkem Stress ausgesetzt, ausgelöst etwa durch frühe Trennung von der Mutter für täglich drei Stunden ab einem Alter von wenigen Tagen.

Die Mäuse mit der normalen Darmflora entwickelten ein außergewöhnlich hohes Level des Stresshormons Kortikosteron, entsprechend ängstliches und depressives Verhalten, gepaart mit unzulänglichen Verdauungsfunktionen. Und während das Gleiche auch bei den Mäuse ohne Darmbakterien geschah, verhielten sie sich dennoch weder ängstlich noch bedrückt.

Das Wissenschaftlerteam “besiedelten” nun die darmflora-freien Mäuse mit Stresserfahrung mit Darmbakterien aus der zweiten Gruppe. Diese Veränderung löste sofort Ängstlichkeit und Depression aus. Übertrug man allerdings Darmbakterien in die Gruppe der nicht-gestressten bislang bakterienfreien Mäuse, trat diese Verhaltensänderung nicht ein.

Offenbar besteht eine Wechselwirkung zwischen den mikrobiologischen Faktoren im Darm und den Bedingungen des Individuums, damit die beobachtete Ängstlichkeit und Depressivität eintreten, so Studienleiter Bercik. Stress in der ersten Zeit nach der Geburt führt zu vermehrter Stress-Reaktion und Verdauungsproblemen, was die Darmflora verändert. Umgekehrt greift dies wieder in die Gehirnfunktion ein.

Wie wichtig könnten diese Erkenntnisse sein? Die Wissenschaftler sind gerade erst dabei, die Interaktion und Wechselwirkungen zwischen der Darmflora und dem Individuum zu entdecken. Bereits geringfügige Veränderungen im mikrobiologischen Profil oder in der Stoffwechselaktivität, ausgelöst durch neonatalen Stress, kann sich im Erwachsenenalter auf Reaktionen und Verhaltensweisen auswirken.

Daher ist es wichtig, zu bestimmen, ob sich die in der Studie ermittelten Beobachtungen auch auf Menschen übertragen lassen. Beispielsweise gilt es, Daten zu sammeln, um festzustellen, ob „anormale“ mikrobiotische Profile bei Patienten auftreten, die an primären psychischen Störungen wie Angstzuständen oder Depression leiden.

Erst im April dieses Jahres wurde über eine Studie berichtet, in der Darmbakterien eine wichtige Rolle bei der Serotoninproduktion spielten, einem bedeutenden Neurotransmitter, der auch als “Glückhormon” bezeichnet wird und für Schlafverhalten und eine ausgeglichene Psyche verantwortlich ist.

 

 

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