Beobachtungen an Wildtieren gewähren Rückschlüsse auf Antibiotika-Resistenz bei Menschen

Beobachtungen an Wildtieren gewähren Rückschlüsse auf Antibiotika-Resistenz bei Menschen

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Antibiotika sind natürlich ein Segen – können allerdings zum Fluch werden, sobald sich Resistenzen gegen das pharmazeutische Waffenarsenal entwickeln. Das Zunehmen solcher Resistenzen stellt eine große weltweite Bedrohung für die Gesundheit von Mensch und Tier dar.

Ein Expertenteam vom Virginia Polytechnic Institute and State University in Blacksburg, Virginia, USA, berichtete bereits im Juli in einer Zeitschrift über Wild-Krankheiten zum Thema. Leiterinnen der Studie waren Kathleen Alexander, Dozentin für Wildbiologie am Kolleg für Natürliche Ressourcen und Umwelt an der Virginia Tech, und Sarah Jobbins, Doktorandin in Wildbiologie und aktuell Studentin der Tiermedizin an der Universität Sydney. Die Wissenschaftlerinnen untersuchten anhand des verbreiteten Bakteriums Escherichia Coli die Verbreitung von Resistenzen bei Menschen, Haustieren und Wildtieren im Chobe Distrikt in Nord-Botswana.

Resistenzen auf 10 Antibiotika wurden sowohl bei Rindern als auch bei 18 Wildtierarten getestet. Damit wollte man die Schlüssel-Reaktionen untersuchen, die die Risiken einer Resistenzentstehung vergrößerten und deren Verbreitung in Menschen, Tieren und gesamten Ökosystemen Vorschub leisten.

Die Resultate wurden mit 193 menschlichen Proben sowohl von gesunden als auch von kranken Patienten in lokalen Krankenhäusern sowie mit 12 Proben menschlicher fäkaler Abfälle aus der Umgebung verglichen.

Von 150 Kotproben von Wildtieren enthielten 41% E. Coli, die zumindest auf zwei der getesteten Antibiotika nicht mehr reagierten, 13% dagegen waren resistent gegen drei oder mehr Antibiotika. Bei E. Coli aus Wildtieren, menschlichen und aus in der Umwelt gesammelten Proben verhielt es sich ähnlich.

Resistenzen gegen mehrere Antibiotika fanden sich nahezu überall – in menschlich stark besiedelten Gebieten ebenso wie in menschenleeren Natur-Regionen wie dem Chobe Nationalpark.

Bei Tieren, die nahe am Wasser lebten, wie Nilpferd, Krokodil, Wasserböcken und Otter fanden sich bezeichnenderweise mehr Resistenzen als bei anderen Spezies. Ebenso waren Tiere am Ende der Nahrungskette, also Fleischfresser, sehr viel stärker betroffen als die übrigen Arten.

Menschen und Tiere teilen sich das Oberflächenwasser, insbesondere in so trockenen Regionen wie Botswana, berichtet Jobbins. Über das Wasser verbreiten sich auch Resistenzen gegen Medikamente selbst in Populationen von Lebewesen, die noch niemals Antibiotika ausgesetzt waren. Und die Resistenzen akkumulieren sich möglicherweise über die Nahrungskette: Apex-Prädatoren wie Hyäne, Krokodil oder Leopard sind demnach wichtige „Anzeiger“ im Ökosystem.

Tiere, die in oder relativ nahe an urbanen Gebieten leben, wie Mangusten, Paviane oder Warzenschweine, verzeichneten ebenfalls hohe Resistenzraten.

Proben von Wildtieren zeigten dabei ganz ähnliche Resistenzmuster wie menschliche E. coli-Bakterien aus klinischen Proben in den Untersuchungsgebieten. Diese aktuellen Beobachtungen lassen sich sehr gut auch auf andere Ökosysteme übertragen und erlauben ebenfalls Rückschlüsse auf die sich aufbauenden Resistenzen. Insbesondere die Überwachung von Wildtierpopulationen als „Anzeiger“ für verschiedene Ökosysteme zu Wasser oder zu Land ermöglichen eine frühe Entdeckung und möglicherweise auch eine Kontrolle bedrohlicher weltweiter Entwicklungen bezüglich der Reaktion auf Antibiotika.

Die Wildtier-Ökosyteme bieten eine einmalige Gelegenheit, um besser zu verstehen, wie sich Resistenzen ausbreiten. Jede Spezies besetzt eine eigene Nische, interagiert mit ihrer Umwelt und kann daher als eine Art Wächter für die Gesundheit ihres Ökosystems dienen.

Allein die landesweite Existenz von Antibiotika-Resistenz quer über mehrere verschiedene Lebensräume hinweg ist ein Grund zur Besorgnis von globaler Bedeutung. Werden immer mehr Antibiotika wirkungslos, fallen die Bollwerke gegen Krankheiten und Todesfälle, so betonen die Wissenschaftlerinnen.

Beispielsweise leidet Botswana mit weltweit einer der höchsten HIV- und AIDS-Rate extrem unter der Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Doch selbst bei dort lebenden Wildtieren sind einige der bislang wichtigsten Antibiotika aus der Humanmedizin bereits wirkungslos.

Wichtig wird es daher künftig auch sein, streng zu kontrollieren, wo und wie die resistenten Mikroben in die Umwelt gelangen und sich vermehren. Oberflächenwasser ist nur ein Verbreitungsweg. Warum diese Bakterienstämme auch in Gebieten existieren, in denen keinerlei Landwirtschaft oder kommerzielle Viehhaltung betrieben werden, bleibt bislang noch im Dunklen.

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