Behandlung von Zahnfleischerkrankungen mit Blaubeerextrakt?

Behandlung von Zahnfleischerkrankungen mit Blaubeerextrakt?

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Zahnfleischerkrankungen kommen sehr häufig vor, in schweren Fällen müssen sogar Antibiotika verabreicht werden. Derzeit entwickeln Wissenschaftler eine Behandlung auf der Basis eines Extrakts aus wilden Blaubeeren, das die Bildung von Plaque, von Zahnbelägen als Ursache für Gingivitis verhindern könnte.

An der Universität Laval in Kanada wurde die entsprechende Untersuchung durchgeführt und in einer Fachzeitschrift für Agrar- und Lebensmittelchemie publiziert. Viele Menschen leiden an Zahnfleischentzündungen oder Gingivitis – Ursache ist meist eine dicke, langfristig aufgebaute Schicht von Dental-Plaque, in der sich zahlreiche Bakterien ansiedeln.

Hält die Entzündung länger an, führt dies zu permanenten Zahnfleischerkrankungen, zu Parodontitis. Beide sind in der Bevölkerung von Industrieländern weit verbreitet – geschätzte 50% der Erwachsenen über 30 allein in den USA leiden daran. Wird die Plaque nicht entfernt, etwa durch entsprechende Zahn- und Zahnfleischpflege – bildet sich eine sehr viel härtere Schicht, bekannt als Zahnstein.

Diesen kann nur ausgebildeter Experte für Zahngesundheit entfernen, um das Fortschreiten krankhafter Zahnfleischprozesse aufzuhalten. Zahnfleischerkrankungen bedrohen nicht nur die Zahngesundheit, sondern können auch weiterreichende negative Folgen für die Gesundheit haben. Neben Karies sind sie die häufigste Ursache für Zahnverlust. Raucher und Diabetiker sind besonders bedroht.

Mangelhafte Zahnhygiene ist ein großer Risikofaktor. Rotes, geschwollenes, empfindliches oder zu Blutungen neigendes Zahnfleisch und anhaltender Mundgeruch oder ein übler Geschmack im Mund sind eindeutige Hinweise. Das Wissenschaftlerteam, das die neue Studie durchführte, untersuchte eine ganze Reihe antibakterieller Substanzen auf ihre Wirksamkeit bei Zahnfleischerkrankungen. Die Polyphenole aus Blaubeeren weckten dabei ihre besondere Aufmerksamkeit. Sie sind bereits als Mittel gegen eine Reihe anderer Erkrankungen bekannt.

Das Team fragte sich, ob die Substanz, die sie im Extrakt wilder niedrig wachsender Blaubeeren fanden, Vaccinium angustifolium Ait. – eventuell Auswirkungen auf Fusobacterium nucleatum hätte, ein Bakterium, das als einer der Hautauslöser von Zahnfleischerkrankungen gilt. Labortests bewiesen, dass die Substanz das Wachstum des Bakteriums erfolgreich aufhielt und daran hinderte, Biofilme zu bilden. Ein Test mit Makrophagen – Immunzellen, die bei Entzündungen eine wichtige Rolle spielen – zeigten, dass der polyphenol-reiche Extrakt eine molekulare Kettenreaktion blockierte, die typischerweise bei Entzündungsprozessen abzulaufen pflegt. Biofilme sind Vorläufer von Plaques.

Sie bestehen aus einem Gewebe von Substanzen, die von Bakterienzellen gebildet werden, um sich darin anzusiedeln. Diese zweifache, antibakterielle und entzündungshemmende Einwirkung der Polyphenole aus der wilden Blaubeere legt nahe, dass hier womöglich ein neues Therapeutikum vorliegt, so das Resumé des Teams. Derzeit arbeitet es an der Entwicklung eines oralen Hilfsmittels, das die Wirkstoffe des Extrakts nach einer gründlichen Zahn- und Zahnhalsreinigung langsam freisetzt, um eine Zahnfleischerkrankung unterstützend zu behandeln.

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