Lungenkrebs und die Unterschiede zwischen Rauchern und Nichtrauchern

Lungenkrebs und die Unterschiede zwischen Rauchern und Nichtrauchern

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Tabak-Konsum ist bekanntlich der Hauptauslöser für die häufigste Form vom Lungenkrebs, der nicht-kleinzelligen Variante, in Fachkreisen als NSCLC bezeichnet, an der etwa 80% aller Betroffenen erkranken. Doch auch Nichtraucher kann es treffen. Aktuell ist ein Ansteigen dieser Krebsart auch bei Nichtrauchern zu verzeichnen. In Portugal hat nun eine Gruppe von Wissenschaftlern signifikante Unterschiede bei den klinischen Erscheinungsformen und der Überlebensrate zwischen Rauchern und Nichtrauchern mit NSCLC festgestellt.

Dr. Cátoa Saraiva von der Abteilung für Lungenforschung am Portugiesischen Institut für Onkologie in Lissabon, berichtete am 27. September auf dem diesjährigen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Atemwege über ihre Ergebnisse. Das Team untersuchte 504 portugiesische Nichtraucher, die an NSCLC erkrankt waren und 904 betroffene Raucher. Sie stellten fest, dass die erkrankten Nichtraucher überwiegend Frauen waren. Meist litten sie an der Variante Adenokarzinom, der häufigsten Form von NSCLD, in geringerem Maß an der chronischen obstruktiven Lungenkrankheit (COPD), an Herzerkrankungen, an vorhergehenden Formen von Speiseröhrenkrebs oder Gewichtsverlust. Ebenso fand das Team von Dr. Saraiva heraus, dass die Nichtraucher eine wesentlich bessere Überlebensrate hatten – etwa 51 Monate im Vergleich zu 25 Monaten bei den erkrankten Rauchern.

„Bislang waren Informationen über die Unterschiede bei den Risiken und der Überlebensrate zwischen Rauchern und Nichtrauchern mit NSCLC sehr begrenzt. Dies ist die erste Studie, die sich damit beschäftigt“ berichtet Dr. Saraiva. „Weil der Begriff Lungenkrebs stets für eine Gattung von Tumoren steht, die verwirrende und oft irreführende Symptome bei Rauchern wie Nichtrauchern zeigen, hielten wir es für äußerst wichtig, diese Wissenslücken zu füllen. Wir glauben, dass die Unterschiede, die wir zwischen beiden Patientengruppen gefunden haben, uns helfen können, die Diagnose zu verbessern und dazu führen werden, dass Forscher versuchen werden, diesen Unterschieden auf die Spur zu kommen.“

Das Wissenschaftlerteam schlägt vor, dass weitere Studien folgen sollten, um unterschiedliche Prognosefaktoren je nach Altersgruppe, Disposition und Lebensweise für betroffene Raucher und Nichtraucher zu finden. In der Nichtraucher-Gruppe waren etwa 9% der Personen typischen auslösenden Faktoren ausgesetzt (Passiv-Rauchen), bei 5% gab es eine Familiengeschichte von Lungenkrebs, vorhergehende Krebserkrankungen lagen bei 6% der Fälle vor. Zusätzlich litten 18% der Betroffenen unter Bluthochdruck.

Bei der Nichtraucher-Gruppe unter den Patienten wurde die Erkrankung meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. 59% diagnostizierte man erst im Stadium IV, in dem sich der Krebs bereits in anderen Körperregionen verteilt hatte, überwiegend im bereits erkrankten Lungenflügel, im gegenüberliegenden Lungenflügel, in den Knochen oder im Gehirn.

„Es scheint plausible, dass die nichtrauchende Bevölkerung sich eines Lungenkrebs-Risikos gar nicht bewusst ist. Wir müssen jedoch unsere Resultate noch durch breiter angelegte Studien bestätigen, bevor wir mit unseren Informationen an die Öffentlichkeit gehen können.“, berichtet Dr. Saraiva.

Bei der Planung der Behandlung von NSCLC besteht ein zusätzliches Problem darin, dass häufig noch andere Erkrankungen auftreten, die nicht direkt mit Lungenkrebs in Verbindung stehen. Diese Parallel-Erkrankungen erhöhen die Schwierigkeiten, die klinischen Symptome klar zu identifizieren und sich für eine Behandlungsform zu entscheiden – sie bedeuten, dass die klinische Praxis noch stärker modifiziert und entsprechend abgestimmt werden muss. Dr. Saraiva hofft, dass die künftigen Studien möglichst viele Patienten mit einschließen werden, um diese neuen, differenzierteren Behandlungsformen entwickeln zu können und die Kranken in Zukunft präziser und wirkungsvoller behandeln zu können.

 

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